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  • Sara Hofstetter

Die Wilde in mir und in uns Allen

Wie zeigst du dich gegen aussen? Was sind deine bewussten oder vielleicht auch unbewussten Aufgaben in deinem System? Wie bist du in Beziehung zu deinen Mitmenschen? Vielfach nehmen wir verschiedene Arten von Persönlichkeiten an – und dies in verschiedensten Beziehungen. Sei es die Mutter-Kind oder Vater-Kind Position. Allein hier gibt es schon immense Unterschiede und das ist auch gut so. Innerhalb des Familiären aber auch des grösseren Systems um uns herum geht es um sehen und gesehen werden. Spiegelungen. Nicht umsonst stimmt der Vibe bei gewissen Mitmenschen mehr als bei Anderen. Sobald man sich selbst verändert, verändert sich das System um uns herum. Als Beispiel; Du beschäftigst dich mit einem neuen Hobby, gehst in wöchentliche Kurse und triffst da neue Leute mit demselben Interesse und neuen Impulsen. Aus Selbsterfahrung kann ich sagen, dass Menschen mit denselben Interessen oftmals mehr «viben» als andere, die etwas völlig anderes machen. Bestimmt hast du dies auch schon so erlebt. Nun, was hat aber der/die Wilde damit zu tun? Gehen wir zurück zu den Anfängen. Mit der Christianisierung Europas kam es zu einer Neu- und Umdeutung verschiedener Glaubensvorstellungen. Die zuvor bestehenden Kulte wurden im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit als «Aberglaube» eingestuft. Dazumal wurden Menschen verfolgt, die an anderes glaubten oder einfach sich dem System nicht beugen wollten. Selbst Antipathie, spezielle Merkmale oder Nachbarschaftsstreitigkeiten endeten auf dem Scheiterhaufen. Ganze 75 bis 80 Prozent der geschätzten 40’000-60'000 Opfer der europäischen Hexenverfolgung waren Frauen, was dem geschlechtsbezogenen Hexenglauben in Mitteleuropa entsprach. Fragt sich also wieso. Man vermutet, dass im 19. Jahrhundert sich eine Vorstellung entwickelte, welche suggerierte, dass die Hexenverfolgung eine organisierte Unterdrückung oder Vernichtung vorchristlicher Kulte gewesen sei, welche von weisen Frauen praktiziert worden seien. Dabei waren Kräuterfrauen, Weise, Hebammen und Medizinerinnen. Frauen wurde so der Mund verboten und sie wurden mit Angst gelenkt. Es waren unsere Vorfahren, die auf demselben Stück Land lebten, wie wir heute. Auch heute sind es primär Frauen, die sich nicht trauen ihre Wahrheit zu sprechen. Sie werden noch heute belächelt oder klein gemacht. Frauen werden so von ihrer Intuition getrennt oder trauen sich nicht mehr auf diese zu hören. So entstehen innere Blockaden, auch durch unschöne Worte bezüglich weiblicher Geschlechtsteile oder die Einstellung von noch vielen Mitmenschen gegenüber der Periode, ist ziemlich niederschmetternd. So befindet sich noch immer sehr viel Schmerz in uns und unseren Systemen. Übrigens bestätigt auch die Wissenschaft, dass sich Traumata in unseren DNA’s abspeichern. Selbstverständlich sind auch Männer auf ihrem Weg von Traumata betroffen, dies will ich keinesfalls abstreiten. In diesem weiterführenden Text geht es aber hauptsächlich um den weiblichen Aspekt. Soll aber nicht heissen, dass es hier zu Ende ist für Männer – im Gegenteil. Wir alle Spiegeln und ergänzen uns und gerade deswegen ist es wichtig dass wir uns gegenseitig für einander interessieren.

Nun wie also können wir uns von diesen tiefen Erschütterungen befreien? Von dem Schmerz und dessen dazugehörigen Muster? Hinsehen und Hinhören! Das kann ganz unterschiedlich sein. Es geht darum aufzuräumen, und zwar für sich selbst aber auch für seine eigenen Nachkommen. Natürlich ist dies eine sehr privilegierte Einstellung, denn viele unserer Vorfahren hatten andere Sorgen als wir. Und doch müssen wir uns eingestehen, dass wir die Ahn:innen der zukünftigen Welt sind und wir viel mehr Verantwortung tragen, als uns vielleicht manchmal lieb und bewusst ist. Meiner Meinung nach, geht es primär darum sich Raum zu schaffen und einfach mal hinzusehen, zu reflektiern; - Wie ist die Beziehung zu meiner Mutter? - Wie gehe ich mit Vorgesetzten um und wie behandeln sie mich? - Wie verhalte ich mich in Gruppen oder allein? - Welche Rolle übernehme ich in meinen Systemen? So kann man auch seine eigenen, berechtigten Gedanken machen, welche Platz haben sollen, und zwar bei sich und innerhalb seines Umfeldes. Oftmals kann es aber schwer sein, alleine hinzuschauen und dafür gibt es verschiedene Praktiken, die jede:r für sich wählen kann. Am besten ist es, wenn man auch etwas aus der Komfortzone gebracht wird, etwas das einem zwingt noch mehr hinzusehen, tiefer zu tauchen und man so zu seiner Intuition findet. Vielfach sind dies kreative Dinge wie Malen, Singen, Tanzen oder ähnliches, was ganz tief in uns wirken darf. Der Austausch mit Gleichgesinnten, Menschen, die sich auch auf einem ähnlichen Weg befinden, ist hier vielfach sehr hilfreich (z.B. Frauen-/Männerkreise die gezielt auf diese Themen eingehen). Denn man sieht so nicht nur, dass man nicht allein ist. Man erfährt auch wie andere mit dieser Thematik umgehen. Wie andere stärker wurden, NEIN sagen konnten, die mit der Faust auf den Tisch hauten, weil einfach keine Gerechtigkeit bestand. Andere die seit Jahren nicht mehr weinen konnten, weil alles weit weg und ganz hinten verstaut war oder einfach auch ein Leben in der Schockstarre lebten. Gerade jetzt in dieser Zeit ist es wichtig hinzuschauen, aufzuräumen und die Wilde wieder in uns hervorzuholen. Haare an den Beinen zu haben, sich nicht mehr unterdrücken zu lassen und alle Emotionen auszuleben. Barfuss im Dunkeln durch den Wald zu gehen, vor Freude laut jubeln, sich sexy zu fühlen oder einfach nur tiefe Verbundenheit zu allen Wesen zu spüren. ALLES was zum Mensch-sein gehört, insbesondere zum Frau-Sein. Denn die Wilde wird tief in dir Rufen, sie ist die, die dich beschützt. Vor falschen Freunden, vor Wertvorstellungen, die nicht zu dir gehören, vor Aufgaben innerhalb deiner Systeme die man vielleicht gar nicht übernehmen/abnehmen sollte. Viele Frauen die brav dem System gehorchten, früh heirateten und Mutter wurden, merken dann irgendwann, dass etwas schon längst nicht mehr stimmt. Weder mit der Beziehung zum Ehemann noch mit den eigenen Wertvorstellungen. Sie stehen eines Morgens auf, stehen vor dem Spiegel und erkennen sich kaum mehr, fragen sich wer sie sind und wie es so weit kommen konnte. Übrigens ist das Durchschnittsalter der (ersten) Scheidung bei Frauen knapp 46 Jahre. Bei Männer 45 Jahre. Der/Die Wilde grummelt in uns allen und öffnet uns von Zeit zu Zeit die Augen. Die Frage ist nur, ob wir hinsehen und hinhören möchten. Ob wir uns bereit fühlen, uns auf den Weg zum wilden Weib, des Wilden Mannes zu begehen. Man könnte meinen, dass es zu spät sei – meiner Meinung nach ist es aber niemals zu spät auszubrechen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung


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